Die Batterie ist das teuerste Einzelteil eines Elektroautos. Wie sich ihr Preis entwickelt, entscheidet deshalb mit darüber, wann Elektroautos in der Anschaffung mit Verbrennern gleichziehen. Die bekannteste Messlatte liefert die jährliche Erhebung von BloombergNEF (BNEF). Sie ermittelt den durchschnittlichen Preis eines Lithium-Ionen-Akkupacks über alle Anwendungen hinweg, angegeben in US-Dollar pro Kilowattstunde.
Die Zahlen im Überblick
Laut BNEF lag der Wert 2010 bei über 1.100 US-Dollar pro Kilowattstunde. 2019 waren es 156 Dollar, 2021 dann 132 Dollar. 2022 stiegen die Preise erstmals seit Beginn der Erhebung, weil Rohstoffe und Komponenten stark teurer wurden. 2023 meldete BNEF 139 Dollar, 2024 nach dem stärksten Rückgang seit 2017 dann 115 Dollar. 2025 sank der Durchschnitt um weitere 8 Prozent auf 108 Dollar. Packs für Elektroautos lagen mit 99 Dollar sogar darunter. Für 2026 erwartet BNEF einen weiteren, aber langsameren Rückgang auf knapp unter 105 Dollar.
Der Abstand zum Ausgangswert ist groß: 2010 kostete eine Kilowattstunde Akkukapazität mehr als zehnmal so viel wie heute. Ohne diesen Rückgang wären bezahlbare Elektroautos mit alltagstauglicher Reichweite kaum denkbar.
Wichtig beim Vergleich: BNEF gibt jeden Wert in realen Dollar des jeweiligen Erhebungsjahres an. Die 139 Dollar von 2023 waren inflationsbereinigt ein Tiefstwert, obwohl die Zahl über den 132 Dollar von 2021 liegt. Die Reihe zeigt den Trend zuverlässig, einzelne Jahre lassen sich aber nicht exakt gegeneinander rechnen.
Warum Akkus billiger werden
- Lernkurve: Mit jeder Verdopplung der produzierten Menge sinken die Kosten erfahrungsgemäß um einen annähernd gleichbleibenden Anteil. Prozesse werden schneller, der Ausschuss geringer, die Zellen besser.
- Skaleneffekte: Große Zellfabriken verteilen ihre Fixkosten auf mehr Kilowattstunden. Inzwischen übersteigt die weltweite Fertigungskapazität die Nachfrage deutlich, was den Wettbewerb verschärft. Der größte Teil dieser Kapazität steht in China.
- LFP-Anteil: Lithium-Eisenphosphat kommt ohne Nickel und Kobalt aus und ist pro Kilowattstunde deutlich günstiger. Sein wachsender Anteil drückt den Durchschnitt.
- Bauweise: Zellen werden größer und direkt ins Pack integriert. Weniger Module, Gehäuse und Verkabelung sparen Material und Montagezeit.
Rohstoffe bleiben ein Risiko
Die Kurve verläuft nicht glatt. Lithium, Nickel und Kobalt werden an Märkten gehandelt, deren Preise stark schwanken. 2022 hat gezeigt, wie schnell teure Rohstoffe den Trend umkehren können. 2025 sanken die Packpreise dagegen, obwohl einige Metallpreise stiegen: Überkapazitäten und Wettbewerb wogen schwerer. Hinzu kommen Zölle und regionale Unterschiede: In China sind Akkupacks im Schnitt deutlich günstiger als in Europa oder Nordamerika. Auch politische Faktoren wirken, etwa Exportbeschränkungen einzelner Förderländer. Recycling und Zellchemien mit weniger kritischen Rohstoffen sollen diese Abhängigkeit langfristig verringern.
Was das für Autopreise bedeutet
Billigere Akkus senken die Herstellkosten eines Elektroautos spürbar. Beim Kunden kommt das nicht eins zu eins an. Listenpreise hängen auch von Entwicklungskosten, Ausstattung, Wettbewerb, Margen und Steuern ab. Zudem nutzen Hersteller Kostenvorteile teils für größere Akkus statt für niedrigere Preise. Die Richtung ist dennoch klar: Je günstiger die Kilowattstunde, desto eher rechnen sich Elektroautos auch in kleineren Fahrzeugklassen. Auch der Gebrauchtmarkt spürt den Effekt: Sinkende Preise für neue Akkus drücken tendenziell die Restwerte älterer Elektroautos, machen aber zugleich Reparatur und Austausch von Akkus nach Ablauf der Garantie günstiger. Wie sich Neuzulassungen und Marktanteile entwickeln, zeigt der Markt-Monitor. Welche Zellchemie wofür passt, erklärt der Beitrag LFP oder NMC.
Markt-MonitorNeuzulassungen, Bestand, Weltmarkt, Akkupreise und Ladepunkte in Grafiken.Häufige Fragen
Was bedeutet „Preis pro Kilowattstunde“ beim Akku?
Er gibt an, was ein komplettes Akkupack mit Zellen, Gehäuse und Elektronik je Kilowattstunde Speicherkapazität kostet. Ein Pack mit 60 kWh kostet bei 100 Dollar pro kWh also rund 6.000 Dollar.
Gilt der BNEF-Durchschnitt für jedes Elektroauto?
Nein. Der Wert ist ein globaler Durchschnitt über viele Anwendungen und Regionen. Der Preis eines bestimmten Akkus hängt von Chemie, Hersteller, Stückzahl und Region ab.
Sinken die Preise immer weiter?
Langfristig rechnen Analysten mit weiteren Rückgängen. Kurzfristig können Rohstoffpreise, Zölle oder Nachfrageschwankungen den Trend bremsen oder umkehren, wie 2022 geschehen.
- BloombergNEF, Battery Price Survey 2025 (9. Dezember 2025)
- BloombergNEF, Battery Price Survey 2024 (10. Dezember 2024)
- BloombergNEF, Battery Price Survey 2023 (26. November 2023)
- BloombergNEF, Battery Price Survey 2022 (6. Dezember 2022)
- BloombergNEF, Battery Price Survey 2021 (30. November 2021)
- BloombergNEF, Battery Price Survey 2019 (3. Dezember 2019)
- Energy-Storage.news, BNEF-Prognose 2026 (Dezember 2025)
