Mobility · Automatisierung

Autonomes Fahren: Die Stufen 0 bis 5 nach SAE J3016 erklärt

Vom Spurhalteassistenten bis zum fahrerlosen Shuttle: was die Automatisierungsstufen bedeuten und wer wann die Verantwortung für die Fahrt trägt.

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Hersteller werben mit Begriffen wie „Pilot“, „Assistent“ oder „autonom“, oft ohne klar zu sagen, was ein System wirklich kann. Eine gemeinsame Sprache liefert die Norm SAE J3016 der Ingenieursvereinigung SAE International. Sie unterscheidet die Stufen 0 bis 5. Die entscheidende Frage lautet auf jeder Stufe: Wer überwacht die Fahrt, der Mensch oder das System?

Level 0 bis 2: Der Mensch fährt

  • Level 0 (keine Automatisierung): Der Mensch lenkt, bremst und beschleunigt. Warnsysteme wie ein Totwinkelwarner helfen, greifen aber nicht dauerhaft ein.
  • Level 1 (assistiertes Fahren): Ein System übernimmt entweder die Längsführung, etwa der Abstandsregeltempomat, oder die Querführung, etwa ein Spurhalteassistent.
  • Level 2 (teilautomatisiertes Fahren): Das System lenkt und regelt die Geschwindigkeit gleichzeitig. Der Mensch muss aber ständig überwachen und sofort eingreifen können.

Auf diesen Stufen bleibt die Person am Steuer im vollen Sinn verantwortlich. Auch wenn das Auto auf der Autobahn lange selbst die Spur hält: Blick auf die Straße und Verantwortung bleiben beim Menschen. Viele Missverständnisse entstehen, weil gut funktionierende Level-2-Systeme mehr Können suggerieren, als sie haben. Moderne Systeme prüfen deshalb über Sensoren im Lenkrad oder Innenraumkameras, ob die Person am Steuer aufmerksam ist, und warnen bei Ablenkung.

Level 3: Das System fährt, aber unter Bedingungen

Ab Level 3 ändert sich die Rollenverteilung. Innerhalb festgelegter Einsatzbedingungen übernimmt das System die Fahraufgabe vollständig und überwacht die Umgebung selbst. Die Person am Steuer darf sich abwenden, etwa um Nachrichten zu lesen. Sie muss aber so wahrnehmungsbereit bleiben, dass sie die Steuerung unverzüglich übernimmt, wenn das System dazu auffordert oder die Bedingungen erkennbar nicht mehr erfüllt sind. So regelt es in Deutschland § 1b des Straßenverkehrsgesetzes.

In Deutschland sind erste Level-3-Systeme zugelassen. Sie arbeiten auf Autobahnen, nur bis zu einer festgelegten Höchstgeschwindigkeit und nur unter Bedingungen, die der Hersteller definiert, etwa zu Wetter oder Verkehrslage. Ein typisches Einsatzfeld ist dichter Kolonnenverkehr, in dem das Fahren besonders eintönig ist. Verlässt das Fahrzeug diesen Rahmen, fordert es mit Vorlauf zur Übernahme auf.

Level 4 und 5: fahrerlos

Bei Level 4 fährt das System in einem definierten Einsatzbereich vollständig selbst, auch ohne eine Person, die eingreifen könnte. Stößt es an seine Grenzen, bringt es das Fahrzeug selbstständig in einen sicheren Zustand. Anders als bei Level 3 muss niemand an Bord zur Übernahme bereitstehen. Beispiele sind fahrerlose Shuttles auf festgelegten Strecken oder automatisiertes Parken in dafür ausgerüsteten Parkhäusern. Deutschland hat dafür 2021 einen Rechtsrahmen geschaffen: Fahrzeuge mit autonomer Fahrfunktion dürfen in genehmigten Betriebsbereichen fahren, überwacht von einer technischen Aufsicht.

Level 5 beschreibt ein Fahrzeug, das überall und unter allen Bedingungen fährt, unter denen auch ein Mensch fahren könnte. Lenkrad und Pedale wären überflüssig. Solche Systeme gibt es bisher nicht im Serienbetrieb.

Mensch fährt und überwachtLevel 0 bis 2
System fährt, Mensch übernimmt auf AufforderungLevel 3
fahrerlosLevel 4 und 5

Wer trägt die Verantwortung?

Vereinfacht gilt: Bis Level 2 ist die Person am Steuer für die Fahrt verantwortlich, auch wenn ein Assistent aktiv ist. Bei Level 3 darf sie sich abwenden, bleibt aber zur Übernahme verpflichtet. Ab Level 4 verlagert sich die Fahraufgabe auf das System, überwacht von Betreiber und technischer Aufsicht. Unabhängig davon haftet in Deutschland grundsätzlich der Halter für Schäden aus dem Betrieb seines Fahrzeugs; dafür gibt es die Kfz-Haftpflichtversicherung. Bei Fehlern des Systems kommt zusätzlich eine Haftung des Herstellers in Betracht. Im Einzelfall entscheiden Versicherer und Gerichte. Bei konkreten Fragen hilft eine rechtliche Beratung. Warum höhere Stufen vor allem eine Frage von Software und Rechenleistung sind, zeigt der Beitrag Software-defined Vehicle.

Die Betriebsanleitung nennt die Bedingungen, unter denen ein System arbeitet. Marketingnamen sagen wenig über die tatsächliche Stufe.

GlossarVon AC-Laden bis Zellchemie: Begriffe kurz erklärt.

Häufige Fragen

Ist ein Level-3-Auto ein autonomes Auto?

Nicht im engeren Sinn. Es fährt nur unter festgelegten Bedingungen selbst und braucht eine Person, die auf Aufforderung übernimmt. Fahrerlos sind erst Level 4 und 5.

Darf ich bei Level 2 aufs Smartphone schauen?

Nein. Bei Level 2 müssen Sie den Verkehr ständig überwachen und jederzeit eingreifen können. Das gilt auch dann, wenn das System zeitweise lenkt und bremst.

Wer zahlt bei einem Unfall mit aktivem Assistenzsystem?

Gegenüber Geschädigten tritt zunächst die Kfz-Haftpflichtversicherung des Halters ein. Ob später Fahrer, Hersteller oder andere haften, hängt vom Einzelfall ab.